Politik & Soziales
Ich gehöre ja zu den von der Steuerreform Begünstigten und frage mich, warum eigentlich. Ich kann meine Lebenshaltungskosten (zur Zeit) wunderbar decken und dabei sogar noch einiges zur Seite legen. Warum muss nun ausgerechnet ich noch eine Steuererleichterung erhalten? Überall fehlt das Geld für dringend nötige öffentliche Investitionen und durch die jüngste Hartz-Reform werden viele von denen, die ohnehin schon mit dem Allerwenigsten auskommen müssen, noch schlechter gestellt. Ich glaube ja, dass das einzige Problem unseres Sozialstaates ist, dass er seine reichen Gaben zuwenig nach dem Gesichtspunkt der Bedürftigkeit vergibt. Da wurde (und wird) mit der Eigenheimpauschale großzügig die Zersiedelung des ländlichen Raumes durch den Mittelstand gefördert, da werden Millionärskinder großzügig mit Kindergeld bedacht, da wurde privaten Großkonzernen zur angeblichen Wirtschaftsförderung oft ein siebenstelliger Betrag pro geschaffenenem Arbeitsplatz nachgeschmissen. (Z.B. bei AMD in Dresden - die Aktionäre danken sehr.) Und auf der anderen Seite gab und gibt es viel zu wenig Geld für Tagesstätten, Schulen, Lehrer, öffentliche Krankenhäuser, Bibliotheken und sonstiges. Leider wird das durch die Reformen keinen Deut besser. Im Gegenteil: Wo Sozialhilfeempfänger sich früher eine kaputte Waschmaschine nach einer Prüfung durchs Amt ersetzen lassen konnten, müssen sie künftig mit einer viel zu knapp bemessenen Pauschale selber schon auf solche Fälle hinsparen.
Daher mein Apell an alle anderen Gutverdiener, die das ähnlich sehen: Gebt Eure Steuerersparnisse an die weiter, die es wirklich benötigen. Zum einen kann man an karitative Einrichtungen spenden (das kann man auch wieder von der Steuer absetzen), zum anderen sollte man ruhig immer ein paar Münzen in der Tasche haben, für all die armen Schlucker, die einem inzwischen auf der Straße begegnen. Die Ausrede von früher, nach der der Staat ja bereits allen das Nötigste bereitstellt, zieht nicht mehr. Am besten kalkuliert man beim wöchentlichen Gang zum Geldautomaten gleich einen festen Betrag nur für diesen Zweck mit ein.
hdressel - 23. Jan, 22:23
Je mehr ich über den Begriff "Arbeitnehmer" nachdenke, desto verwirrter bin ich. Sind nicht die sogenannten Arbeitnehmer diejenigen, die wenn schon nicht Arbeit, so doch ihre Arbeitsleistung den Betrieben geben? Der Begriff "Arbeitnehmer" suggeriert doch, dass der arbeitende Mensch etwas nimmt, was er großzügigerweise vom sogenannten Arbeitgeber bekommt. (Und als Arbeitgeber gilt in großen Unternehmen das Management, obwohl es sich ebenso nur aus Angestellten zusammensetzt wie das Fußvolk.) Und zusätzlich gibt es obendrauf noch Lohn bzw. Gehalt. Der sogenannte Arbeitnehmer nimmt also nur, während der sogenannte Arbeitgeber nur gibt. Diese Begriffsverwirrung spielt meines Erachtens eine Rolle dabei, dass die Politik heutzutage bereit ist, den Unternehmensvertretern jeden nur erdenklichen Wunsch zu erfüllen. Denn wie dürfte man jemanden vor den Kopf stoßen, der den Menschen nur gibt?
Der frühere Begriff "Arbeiter" hat viel klarer gemacht, wer eigentlich die Arbeit erbringt. Nur weil dieser Begriff Assoziationen von Schweiß und Staub weckt, wollten die Angestellten, die ihre Arbeit in sauberen Räumen am Schreibtisch leisten, damit nicht mehr in Verbindung gebracht werden. Wenn zum Beispiel Gewerkschaftsvertreter heute noch klarmachen wollen, wer da eigentlich arbeitet, sollten sie meines Erachtens lieber weiter von "Arbeitern und Angestellten" als von "Arbeitnehmern" sprechen, da diese Bezeichnung der allgegenwärtigen Meinungsmache von den zu faulen und unflexiblen Arbeitserbringern in Deutschland nur entgegenkommt.
Die Definition von Arbeit als etwas, das das Unternehmen dem Angestellten gibt, wäre nur dann sinnvoll, wenn man Arbeit als etwas Negatives betrachtet, das in den Unternehmen herumliegt und das die Angestellten nur an sich nehmen, wenn sie dafür mit Lohn und Gehalt entschädigt werden. Eine Art Abfallentsorgung also, bei der das Arbeiten dem Abbau von Arbeit dient. Der sogenannte Arbeitnehmer gibt also seine Arbeitsleistung, um die Arbeit zu beseitigen. Danach ist die Arbeit dann weg. (Das widerspricht natürlich der Definition von Arbeit in der Physik, wo sie eine Entsprechung von Energie, also etwas Positives ist.)
Das führt mich dann direkt zum nächsten Vorschlag: Wer "Arbeiter und Angestellte" zu lang oder zu sozialistisch angehaucht findet, könnte doch statt von "Arbeitnehmern" auch von "Arbeitsleistern" sprechen. Statt von "Arbeitgebern" könnte man eher von" Lohngebern" sprechen, da Lohn und Gehalt das einzige sind, was die Unternehmen ihren Angestellten im positiven Sinne geben.
Das Begriffspaar "Lohngeber" und "Arbeitsleister" würde jedenfalls eine wesentlich klarere Beschreibung der Wirklichkeit liefern als "Arbeitgeber" und "Arbeitnehmer".
hdressel - 15. Jan, 12:29
Immer wieder kann man ja überall lesen, dass das staatliche, umlagenfinanzierte Rentensystem aufgrund der demografischen Entwicklung (vulgo: Alterspyramide) kurz vor dem Zusammenbruch steht, und dass dagegen nur private Vorsorge hilft. Dann wird vorgerechnet, dass irgendwann im Jahr 2050 ein Arbeitnehmer mit seinen Beiträgen noch 1-2 Rentner mit durchfüttern muss, was natürlich nicht geht und in der Konsequenz nur heißen kann, dass die staatliche Rente drastisch gesenkt werden muss und jeder für sein Alter selbst genug zurückzulegen habe. Von diesem Horrorszenario profitiert vor allem die Finanz- und Versicherungsbranche, während Konsumgüterproduzenten und Einzelhandel immer weiter einbrechende Absätze beklagen müssen.
Mal davon abgesehen, dass die so ausgelöste Nachfrageschwäche die Wachstumsdynamik bremst und so mehr von den künftigen Renten auffrisst als es ein Absenken der Rentensätze bei gesund wachsender Wirtschaft tun würde, wie Peter Bofinger in seinem Buch "Wir sind besser als wir glauben" vorrechnet:
Ich halte schon die ganze Analyse für ausgemachten Quatsch. Die demographische Entwicklung hat ja nur zu einem Teil mit sinkenden Geburtenraten zu tun. (Wobei sich das Nachwuchsproblem ja auch mit verstärkter Immigration beheben ließe.) Zu einem Großteil liegt sie aber einfach an der gestiegenen Lebenserwartung. Und wenn wir im Schnitt 10 Jahre älter als unsere Großeltern werden und nachgewiesenermaßen im Alter weniger siechen, was spricht dann eigentlich dagegen, dass wir 5 Jahre länger arbeiten als ebendiese? Das Renteneintrittsalter ist die ganz große Stellschraube, an der sich das Gleichgewicht zwischen Rentenbeitragszahlern und Rentnern jederzeit recht problemlos regulieren lässt. Die ganzen Schreckensberechnungen gehen wie selbstverständlich immer davon aus, dass ein Renteneintrittsalter von 65 Jahren in Stein gemeißelt ist. Auch das Argument, dass ältere Arbeitnehmer jüngeren Arbeitssuchenden Platz machen sollten zieht ja nicht: Wenn das Ungleichgewicht zwischen Alten und Jungen so dramatisch werden sollte wie behauptet, werden die Jüngeren und Unverbrauchten überall als Arbeitnehmer begehrt sein und nie lange suchen müssen.
Ich frage mich nur, warum das Thema des Renteneintrittsalters in den Medien nie erwähnt bzw. ernsthaft erörtert wird. Wahrscheinlich verkaufen sich Horrostories von wegbrechenden Rentensystemen einfach besser als konstruktive und einfache Lösungsansätze.
hdressel - 14. Jan, 22:23
Erstes Ergebnis einer kurzen Internet-Recherche zum Thema des letzten Beitrags:
Bei zwei Hilfsorganisationen, nämlich
CARE International Deutschland und
Oxfam Deutschland, spielt auch die Unterstützung aktiver Familienplanung in Entwicklungsländern eine Rolle. Oxfam scheint darüber hinaus einen eher ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen, bei dem nicht nur Symptome kuriert werden, sondern auch Fehler im System aufgezeigt werden, z.B. mit einer Kampagne für fairen Handel.
Eine Organisation, nämlich die
Deutsche Stiftung Weltbevölkerung
beschäftigt sich ausschließlich mit der Bevölkerungsproblematik und Maßnahmen zur Unterstützung der "reproduktiven Gesundheit", wie das bei ihr heißt.
Es scheint aber tatsächlich eine Grundsatzfrage zu sein, welchen Anteil die Unterstützung zur aktiven Familienplanung an der Entwicklungshilfe haben sollte, da sicher einige Experten den Standpunkt vertreten, dass mehr Entwicklung als solche schon zu niedrigeren Geburtenraten führt. Über das Für und Wider dieser Sichtweise werde ich mir an dieser Stelle künftig noch ein paar Gedanken machen.
hdressel - 12. Jan, 23:45
Durch die Flutkatastrophe ist zur Zeit viel vom Spenden die Rede und davon, wem man wie spenden sollte. Mir fällt dabei immer auf, dass es besonders viele Organisationen gibt, die ihre Hilfe auf Kinder konzentrieren (unicef, terres des hommes, SOS-Kinderdörfer). Diese Organisationen fahren auch die größten Spenden ein, denn offenbar rührt das Schicksal von Kindern die Menschen mehr als das von Erwachsenen.
Es ist ja wahr, dass Kinder besonders verletzlich sind und dass z.B. Waisen besonders viel Unterstützung benötigen. Allerdings wird meines Erachtens zu gerne vergessen, dass die Geburtenraten in den besonders hilfebedürftigen Regionen oft besonders hoch sind. Es sollte doch Hilfsorganisationen geben, die in diesen Regionen auch Unterstützung zur Familienplanung geben. (Das fängt mit der Alphabetisierung an, darf aber vor der Aufklärung über Verhütungsmethoden und der Bereitstellung von entsprechenden Mitteln nicht aufhören.) Anderenfalls werden aus den unterstützten Kindern wieder Erwachsene, die ihrerseits wieder viele Kinder in die Welt setzen. Dadurch würden die Probleme nicht weniger.
Ich werde mich vor meiner nächsten Spende einmal schlau machen, welche Organisationen aktive Hilfe zur Familienplanung leisten. Die katholischen schon einmal nicht, das ist klar, aber denen habe ich sowieso noch nie gespendet. Aber wie sieht es mit den UN-Organisationen aus? Schließlich bekämpfen die Ajatollahs in aller Welt (die Bush-Regierung eingeschlossen) alles, was nicht Enthaltsamkeit als einzige Verhütungsmethode propagiert.
Update folgt.
hdressel - 10. Jan, 08:24